
Was können wir für junge Erwachsene tun?
Fachleute aus verschiedenen Bereichen schlagen Alarm. Immer mehr junge Erwachsene haben psychische Probleme. Sie schaffen den Einstieg ins Berufsleben nicht und isolieren sich. Der starke Anstieg der IV-Neurenten bei 18- bis 24-Jährigen aufgrund von psychischen Erkrankungen seit 2015 ist ein deutliches Warnsignal.
Das Schweiz. Gesundheitsobservatorium hat in seinem jüngsten Bericht diesem Thema ein eigenes Kapitel gewidmet und stellt fest: «Während es Hinweise auf mögliche Ursachen für die hohen Belastungen gibt, sind diese in ihrer Komplexität noch nicht ausreichend verstanden. Mit über einem Drittel der zukünftigen Erwachsenen, die psychisch stark belastet sind, kann die Antwort nicht nur in einem Ausbau der Gesundheitsversorgung liegen, sondern stellt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar. Dabei sind alle Akteurinnen und Akteure gefordert, präventiv tätig zu werden. Da die negative Entwicklung der psychischen Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auch international zu beobachten ist, ist neben nationalen Initiativen auch eine enge Zusammenarbeit auf internationaler Ebene beziehungsweise die Umsetzung erfolgreicher internationaler Programme sinnvoll».
Die Sozialhilfe ist eine dieser Akteurinnen, die gefordert ist. Viele unserer Mitglieder unterstützen junge Menschen, die sich kaum nach draussen wagen, grosse Mühe haben, in Programmen der beruflichen und sozialen Integration mitzumachen und gleichzeitig bei der IV anmeldet sind.
Im Rahmen der geplanten IV-Revision will der Bundesrat eine speziell auf Jugendliche ausgerichtete Integrationsleistung prüfen, die darauf abzielt, durch eine verstärkte individuelle Unterstützung der jungen Versicherten eine zu rasche Rentenzusprache zu vermeiden. Die SKOS erachtet diese Idee als prüfenswert, solange sie zu einer Verbesserung der Unterstützung beiträgt und nicht zu einer Verlagerung in die Sozialhilfe.
Gleichzeitig braucht es aus Sicht der SKOS weitere Forschung, um die Ursachen für die Verschlechterung der psychischen Gesundheit besser zu verstehen. Zusammen mit Prof. Niklas Baer und seiner Workmed AG plant die SKOS eine Studie, die einen Beitrag zu einem besseren Verständnis leisten kann.
Und schliesslich gilt auch hier: Vorsorgen ist besser als heilen. Wenn wir es als Gesellschaft schaffen, die Rahmenbedingungen für das Aufwachsen der nächsten Generation zu verbessern, gehen wir das Problem an der Wurzel an. Die Sozialhilfe kann hier einen Beitrag leisten, indem sie Kinder und Familien besser unterstützt. Auch alle anderen Akteurinnen und Akteure aus Bildung, Sozialem, Gesundheit und Wirtschaft sind aufgefordert, ihren Beitrag zu leisten für gesunde und lebenswerte Bedingungen für unsere Jugend.