
Wohnen als Problem – wir sollten handeln
Wohnen bedeutet nicht nur ein Obdach zu haben. Wohnen bedeutet, irgendwo zu Hause zu sein; sich geborgen und sicher zu fühlen; Privatsphäre zu haben. Aber nicht nur das. Wohnen heisst auch, eine Lebensbasis zu haben. Ein Ort, an dem man sein Hab und Gut hat, ein Ort, an dem man den Tag beginnt und beendet; sich erholen und pflegen kann. Damit man in der Lage bleibt, ein würdiges Leben zu führen.
Leider wird Wohnen für verschiedene Gruppen zunehmen zum Problem. Für Personen mit Sozialhilfe war der Zugang zu Wohnraum seit jeher enger. Aber sie haben in der Regel selbständig welchen gefunden. Das ändert sich gerade. Ohne Unterstützung finden Armutsbetroffene - insbesondere Migrant:innen - nur noch schwer Wohnungen. Sie erhalten schlicht keine Mietangebote mehr. Kommt es zum Verlust der Wohnung, müssen viele von ihnen in ein Obdachlosenzentrum und bleiben dort viel zu lange. Entsprechend überlastet zeigen sich diese zu regulärem Wohnraum klar teureren und für einen längeren Verbleib ungeeigneten Strukturen. Und einige Betroffene werden obdachlos – häufiger als früher.
Zunehmend geraten aber auch Gruppen ausserhalb der Sozialhilfe, z.B. grössere Familien, Betagte, junge Erwachsene, Menschen mit Behinderungen und Personen mit geringerem Einkommen, unter Druck. Die verfügbaren Wohnungen sind für sie unerschwinglich geworden. Nicht nur im urbanen Raum. Ihnen bleibt oft nichts anderes, als in einer schlechten Wohnsituation auszuharren. Die gestiegenen Nebenkosten belasten zusätzlich. Energiespartipps helfen da wenig. Denn oft leben Menschen mit weniger Budget und Ressourcen in alten, sanierungsbedürftigen Häusern, die wahre Energieschleudern sind.
Die Folgen der Wohnungsknappheit zeigen sich schleichend, aber nicht weniger einschneidend. Wer nicht richtig wohnen kann, ist grundlegend eingeschränkt. Das wirkt sich negativ auf Gesundheit, Arbeitsfähigkeit, Inklusion und Friedfertigkeit aus. Sozialpolitisch nicht verantwortbar. Die Verfügbarkeit bezahlbaren Wohnraums beeinflusst zudem massgeblich die Demographie und damit auch, wie gut sich eine Gemeinde oder Stadt aufstellen kann. Eine ungünstige Wohnraumstruktur kann im schlimmsten Fall zu Segregation und Gettobildung führen. Das kann niemand wollen. Der Klimawandel wird die Dynamik, die mit der Wohnungsknappheit einhergeht, noch verstärken. Wir haben also allen Grund, aktiv zu werden und nicht einfach auf den freien Markt zu vertrauen.
Was nun genau hilft und wer dafür welchen Preis zahlen soll, ist allerdings mehr als schwierig zu beantworten. Wahrscheinlich braucht es einige gut abgestimmte, unliebsame Eingriffe. Der politische Einigungsprozess wird also dauern. Zuwarten ist aber auch keine Lösung. Einerseits nicht für die Betroffenen selbst, andererseits auch, weil es ein gesellschaftliches Gleichgewicht zu erhalten gilt. Sozialdienste sind dabei an einer Schlüsselposition und können Einfluss nehmen. Die bewährten Instrumente wie Mietzinsgarantien, vereinzelt auch die Übernahme von Mietzinssicherheiten bleiben wichtig. Sozialdienste sollten aber mutiger darin werden, Wohnraum selbst anzumieten und ihren Klient:innen unterzuvermieten. Allenfalls braucht es Angebote zur Förderung der Wohnkompetenz, um Kündigungen zu vermeiden. Weiter braucht es gezielte Beratung bei der Wohnungssuche. Saubere Bewerbungen und Unterstützung beim digitalen Bewerbungsprozess bringen Erfolge; ebenso gute Kontakte zu Vermieter:innen. Hier gilt es, künftig mehr Ressourcen einzusetzen und sich dafür sogar regional zusammen zu tun.
Und auch die SKOS ist gefragt. Sie kann mit best-practice-Beispielen, neuen Modellen und zeitgemässen Richtlinien beistehen. Das wird sie tun und das Thema Wohnen im FoKus behalten – versprochen!